Frankreich ist Europameister!

Frankreich. Die Antwort lautet ganz klar Frankreich. Und das ist wenig überraschend. Ginge es bei der Fußball-Europameisterschaft in den kommenden Wochen nicht um Tore und das runde Leder, sondern um den Käse, wären die Gastgeber schon jetzt souveräner Turniersieger. Fast zwei Millionen Tonnen Käse werden in Frankreich Jahr für Jahr produziert. Das beschert der heimischen Käseindustrie einen Umsatz von rund 2,8 Milliarden Euro und dem Rest Europas eine riesige Exportmenge.

 

Aber auch die Franzosen selbst bekommen im wahrsten Sinne des Wortes noch ein großes Stück dieses Käses ab: Knapp 26 Kilogramm Käse verbraucht jeder Franzose im Durchschnitt pro Jahr. Das ist absoluter Spitzenwert unter den 24 Nationen, die bei der Fußball-EM dabei sind. Nur die Griechen stehen noch mehr auf Käseprodukte: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in ihrem Land bei fast 28 Kilogramm. Aber dafür müssen sie in den kommenden Wochen zuschauen, wenn die anderen um den Titel auf dem Spielfeld kämpfen.

 

Deutschland rangiert in der europäischen Käse-Tabelle auf dem vierten Platz, mit rund 24 Kilogramm pro Kopf. Aber wie ist es eigentlich um die Käse-Traditionen in den Ländern der schwarz-rot-goldenen Vorrundengegner bestimmt? Wie viel und vor allem was isst zum Beispiel der Pole, der Ukrainer oder der Nordire? 

Unterschiedliche  Verzehrgewohnheiten  aufgrund  klimatischer  und  traditioneller  Gegebenheiten  beeinflussen  den  Verbrauch von  Milchprodukten  in  den  einzelnen  EU-Staaten.  Das klingt logisch. Während daher also Griechenland, Frankreich und Deutschland an der Spitze liegen, wird in Spanien, Irland oder Portugal weit weniger Käse gegessen. 

 

Der Pole rangiert mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwas über elf Kilo noch weit hinter Ländern wie Lettland oder Litauen. Dabei gibt es in Polen ganz besonderen Käse. So wie Italien seinen Parmesan hat oder Bayern den würzigen Bergkäse, so lieben sie in Polen ihren Oscypek, einen geräucherten Schafskäse. Die Herstellung ist noch recht traditionell. Die Milch muss in der Regel vom polnischen Bergschaf stammen. Und gepanscht werden darf schon mal gar nicht. Höchstens mit einem geringen Anteil Milch vom polnischen Rotvieh. Oscypek wird am liebsten zum Bier gegessen oder aufs Brot gelegt. In Zakopane und Umgebung, dort wo die Heimat des Oscypek ist, erhält man ihn oft gegrillt, mit Preiselbeeren und frischem Krautsalat serviert – und natürlich mit einem Glas Wodka. 

 

Milch, Molke und Butter gehören zu den beliebtesten Nahrungsmitteln in Irland. Der Käse überraschenderweise aber nicht. Mit gerade einmal rund sieben Kilo Pro-Kopf-Verbrauch können die Iren nur noch mit den Bulgaren und Rumänen im europäischen Käse-Vergleich mithalten. Dabei ist Irland doch das Mutterland des Cheddar. Dem Käse mit dem unverwechselbaren Orange. In der Käseproduktion sind die Iren sehr experimentierfreudig. Sie fahren auf den Cahills Porter Käse, ein Produkt mit dem scharfen, fast bitteren Geschmack des Porterbiers genauso ab wie auf Käse mit Whiskyaromen. Übrigens wurde erst in den 1970er Jahren die Käseproduktion wieder populär. Heute stellen knapp 50 bäuerliche Betriebe Irlands an die 150 verschiedenen Käsesorten her. 

 

Bleibt zum Schluss noch der Vergleich mit der Ukraine. Milch ist eines der wichtigsten Tierhaltungsprodukte in der Ukraine. Der Käse aus dem Staat ist allerdings außerhalb des Landes fast gänzlich unbekannt. Warum? Weil ein Großteil der Erzeugnisse für den russischen Markt bestimmt sind. Eigentlich. Denn immer wieder kommt es zum „Käsekrieg“ zwischen den beiden Ländern. Die einen, die Russen, werfen den anderen, den Ukrainern, schwere Qualitätsmängel vor und verhängen dann ein Importverbot. Ist in der Vergangenheit schon ein paar Mal so was passiert. Am bekanntesten sind ein Schmierkäse namens Khust und einen Halbhartkäse nach Vorbild des Tête de Moine.

 

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